Zwangsarbeit unter den Nationalsozialisten

Allgemein

Am Dienstag, den 10. November 2015 sprach Prof. Dr. Mark Spoerer im Salzstadel zur Thema "Zwangsarbeit unter dem Nationalsozialismus. Ergänzt wurde der Vortrag von Konrad Haberberger, dem 1. Vorsitzenden des Vereins Stolpersteine für Landshut - Gegen das Vergessen e.V.

Die Gesamtzahl ausländischer Zivilarbeiter (Zwangsarbeiter/Innen), Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge, die zwischen 1939 und 1945 auf dem Gebiet des „Großdeutschen Reiches“ eingesetzt waren, werden von Prof. Mark Spoerer auf insgesamt 13.5 Millionen Menschen geschätzt, davon etwa 20 Prozent Frauen. Sie mussten für geringe Bezahlung oder auch ohne Lohn in fast allen Bereichen der deutschen Wirtschaft Zwangsarbeit leisten. Ohne den Arbeitseinsatz von Millionen Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Häftlingen aus den Konzentrationslagern (KZ) wäre die Weiterführung des Kriegs für das Deutsche Reich spätestens ab 1942 nicht möglich gewesen. Aber auch in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten mussten Hunderttausende von Menschen Zwangsarbeit für die deutschen Besatzer leisten.

Angesichts der kriegsbedingten Notwendigkeit des Einsatzes von Zwangsarbeitern wurde eine umfassende Reglementierung ihrer Lebensbedingungen durchgesetzt. Ausländische Arbeitskräfte sollten von der deutschen Bevölkerung getrennt leben. Ostarbeiter aus der Sowjetunion und polnische Arbeiter mussten auf ihrer Kleidung die Aufnäher „Ost“ beziehungsweise „P“ tragen. Öffentliche Einrichtungen wie Kinos oder Schwimmbäder blieben ihnen verschlossen. Die meisten Zwangsarbeiter lebten in Lagern, von denen in Deutschland rund 30.000 existierten und in denen je nach Verpflichtungsart und Herkunft der Arbeitskräfte unterschiedlichste Bedingungen herrschten.

Je tiefer „Fremdarbeiter“ in der NS-Rassenlehre angesiedelt waren, desto schlechter waren ihre Lebensbedingungen. Behandlung, Unterbringung, Art der Beschäftigung, Lebensmittelrationen und Löhne nord- und westeuropäischer Arbeiter lagen weit über denen der „Ostarbeiter“. Die Verpflegungsrationen der Westeuropäer erreichten in etwa diejenigen der Deutschen. Ungenügende Ernährung und Misshandlung durch deutsche Vorarbeiter gehörten für die Mehrzahl der osteuropäischen Zwangsarbeiter vor allem in Städten zum Alltag. Viele kamen durch die miserablen Lebensbedingungen und durch die Willkür von Gestapo, Polizei, NSDAP und SS um.

Konrad Habereder ging darauf ein, dass laut einer Statistik vom 30. September 1944 waren im Arbeitsamtsbezirk Landshut insgesamt 9.571 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Davon waren 4.552 Frauen und 5.019 Männer. Viele davon leisteten die Zwangsarbeiter Tomasz Wolak in Deutenkofen, Florian Skupien in Oberlauterbach und Stanislaw Morawski in Wildenberg von SS-Kommandos aus den KZ Dachau und Flossenbürg unter Leitung der Gestapo Regensburg mit dem Strang öffentlich hingerichtet. Die beiden polnischen Zwangsarbeiter Stanislaw Czabanski aus Furth bei Landshut und Mieczyslaw Gruchacz aus Reicherstetten bei Ergoldsbach wurden 1944 in das KZ Flossenbürg / KZ Bergen-Belsen eingeliefert und sind dort ermordet worden.

Als Grund für die Hinrichtung wurde oft der nicht erlaubte Umgang mit deutschen Frauen angegeben. Die Hinrichtungen in Niederbayern erfolgten in einem Waldstück in Nachbarschaft zum Dorf in dem der Verurteilte seine Zwangsarbeit verrichtet hatte. Die Zwangsarbeiter des Dorfes mussten als abschreckendes Beispiel der Hinrichtung beiwohnen.

 

 
 

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